Ozielito erblickt das Licht der Welt

Marie und Bommel sitzen an einem milden lauen Sommerabend auf ihrem Balkon. Sie genießen die frische Luft und schauen in den Sternenhimmel.

 

 

 

Marie schwelgt in Erinnerungen. „Weißt du noch, was wir für einen netten Berlinaufenthalt im letzten Jahr bei unseren Freund Frank hatten, Bommel?“  „Hmm“,  grinst Bommel verschlagen, „ besonderes kommen mir die Bilder hoch, als du nur in deinem kurzen Hemd bekleidet aus dem Badezimmer kamst. In dem Glauben du wärest allein. Als dir plötzlich aus der Küche ein fröhliches „Guten Morgen Marie! Ich hoffe, ich habe dich nicht gestört. Ich war ganz leise.“ entgegen schmetterte! Über dein blödes Gesicht kann ich mich noch heute noch totlachen!!!“  „Na hör mal! So plötzlich halbnackt und ungeschminkt vor einem Opernsänger zu stehen, ist ja wohl nicht lustig, oder?? Konnte ich denn ahnen, dass der hier geschlafen hatte? Und nun fröhlich in der Küche am Fenster mit seinem Laptop saß? Mann war mir das peinlich!“  „Ja ja mag ja sein. Dafür habt ihr euch später beim Frühstück besonders gut verstanden“ eifersüchtelte Bommel.  Der kleine Kobold kann den Oziel so gar nicht leiden. Er versuchte Oziel zu Ärgern wo er nur konnte. Nur leider schlugen alle Versuche fehl. Menschen merken nun einmal nicht wenn sie von Bommel gepiesackt werden.

 

Plötzlich kann Marie auf eine Idee. „Sag mal Bommelchen, was hältst du davon wenn wir auch für Oziel einen Guardian Angel herstellen?“  Oh, oh! Das war nun gar kein guter Gedanke. Der Kleine reagierte mit einer harten Schimpfattacke, die hier lieber nicht weitergegeben werden sollte. Marie sah ein, sie hätte ihren Einfall etwas diplomatischer verpacken sollen. Für Bommel war dieses Thema beendet. Nur nicht für Marie. In ihr arbeitete der Plan weiter.

 

Eines Nachts, da kommen ihr die besten Eingebungen, stand der kleine Kerl im Geiste vor ihr.

 

Jetzt brauchte es nur noch eine günstige Gelegenheit um ihn zu erschaffen.

 

Dieses geschah in einer Nacht und Nebel Aktion. Bommel bekam davon nichts mit.

 

Als der eines Morgens fröhlich sein Brötchen mümmelnd im Büro auf den Schreibtisch sprang, fiel ihm vor Schreck der letzte Happen aus dem Gesicht. Mit offenen Mund und großen Augen stand er wie angewurzelt da.

 

„Buenos dias Seniore! Darf ich mich vorstellen? Ich bin Ozielito und wohne jetzt auch hier“  säuselte ihm eine im gebrochenen Deutsch wohlklingende Stimme entgegen. Vor ihm stand ein anderer Bommel. Der sah fast so aus wie er. Aber eben nur fast. Sein Bauch repräsentierte die mexikanische Flagge. Der Helm war eine künstlerische Meisterleistung von Marie. Oben strahlte die mexikanische Sonne. Auf dem Visier stand „Oziel“ in geschwungenen Buchstaben und auf dem Helmrand prangte eine Notenzeile von Bach.

 


 

Als Bommel sich etwas erholt hatte, machte er auf dem Hacken kehrt, sauste davon und schrie  „Marieeeeee!!!!!“

 

Er lies den verdutzten Ozielito stehen. „ Uff! Waase  ise  denne diese füre eine komische Empfange?? Wer war das? Marieee!“

Marie hatte schon so etwas erwartet. Zuerst erreichte Bommel Marie. Mit hochrotem Kopf, soweit der unter dem Helm sichtbar war, stand er völlig außer sich vor ihr und bekann fürchterlich zu schimpfen. Ozielito folgte ihm, allerdings viel würdevoller. Nun begann auch er mit seiner gewöhnungsbedürftigen Stimme auf die arme Marie einzureden. Aber wie gesagt viel würdevoller, wie große Sänger es halt zu tun pflegen. „Marie sage mir bitte, was ist das für eine Empfang? Ich bin es nicht gewohnt, so unhöflich empfangen zu werden. Und wer ist das überhaupt, dieser kleine unscheinbare Wicht? He?“ „Du blöder Lackaffe!“  knurrte Bommel ihn an „sieh bloß zu dass du Land gewinnst! Du hast hier überhaupt nichts zu

suchen!! Hier ist mein Revier und mein zu Hause! Verschwinde aus meinem Dunstkreis, zisch ab zu deinem Opernsänger. Was du dort auch immer machen sollst!“

 

„Zunächst einmal, “ räusperte sich schon leicht gereizt Ozielito „was ist bitteschön ein Lackaffe?“ „Na du!!“ konterte Bommel sofort. „Das beantwortet nicht meine Frage, erklääre mir bitte, was ist ein Lackaffe?“ Ozielito beharrte auf eine Antwort. „Also gut zum mitschreiben: in deiner Sprache du bist ein el petimetre.“ kam es süffisant von Bommel zurück.

 

Das war dem kleinen Mexikaner zu viel! Er wandte sich aufs äußerste empört an Marie

 

„ Marie, so eine Beleidigung muss ich mir nicht gefallen lassen! Was bildet sich dieser aufgeblasene Crétin eigentlich ein!“ „Wie hast du mich genannt? Crètin? Ich werde dir geben du Crètin!!“ mit dieser Aussage fiel Bommel über Ozielito her. Und die schönste Rauferei war im Gange. „Jungs!! Jetzt ist aber Schluss hier!!“ mit diesen energischen Worten griff Marie nun endlich ein. Sie packte die beiden am Kragen und hob sie hoch. Die kämpften noch in der Luft weiter. Die Helme hingen ihnen schief am Kopf und einige Wollfäden hatten sie auch eingebüsst.

 

Mit den Worten „Ruhe jetzt!!“ setzte Marie die beiden unsanft auf den Tisch zurück. „Wir werden uns nun mal vernünftig unterhalten, verstanden cachài?“

 

„Hmm“ kam es unwillig von Bommel zurück. Ozielito steuerte ein „Uff!“ zu Unterhaltung bei. Na ja, das war schon mal ein Anfang.

 


 

Mit viel diplomatischem Geschick gelang es Marie zumindest einen Waffenstillstand zu schaffen.

 

Unter Ozielitos Helm arbeitete es kräftig. Er wusste genau um sein Handicap, der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein. Bommel liess keine Gelegenheit aus, ihm das aufs Butterbrot zu schmieren.

 

Der kleine Mexboy hatte eine große Begabung mitbekommen. Er konnte, wie die meisten Opernsänger, blitzschnell fremde Sprachen lernen.

 

So zog er sich einige Tage zurück um fleißig zu lernen.

 

Um dann im perfekten Deutsch zu brillieren. Was Bommel wiederum sehr wurmte.

 

Hatte er doch einen Grund verloren Ozielito zu ärgern.